Geschichte

„Keyes-Building“ und die deutsch-amerikanischen Beziehungen in Heidelberg

Ehemalige Campbell-Kaserne in Heidelberg (Foto: Diemer)
Ehemalige Campbell-Kaserne in Heidelberg (Foto: Diemer)

Geschichte und Gegenwart Heidelbergs sind wesentlich durch die Begegnungen mit Amerikanerinnen und Amerikanern bestimmt. Gleichzeitig hat Heidelberg im Bewusstsein vieler US-Bürger seit dem 18. Jahrhundert einen festen Platz. Die gegenseitigen Verbindungen waren dabei ständigen Wandlungen unterzogen und spiegeln in vielfältiger Weise das Auf und Ab der transatlantischen Beziehungen wieder. Das Keyes-Building als der authentische Ort dieses Verhältnisses steht für die Chance, Vergangenheit und Gegenwart dieses Miteinanders lebendig werden zu lassen und die aktuellen Herausforderungen im transatlantischen Dialog in den Blick zu nehmen. 

Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges waren die bedeutendsten Institutionen der US-Army und der NATO in Heidelberg ansässig. Damit erinnert die seit 1948 als Campbell Barracks firmierende Kaserne wie kaum ein anderer Ort in Deutschland an die Präsenz von mehr als 15 Millionen US-Amerikanern im Europa der Nachkriegszeit und an die Verankerung der Bundesrepublik Deutschland im westlichen Bündnis. Die gemeinsame Geschichte von Amerikanern und den Bürgerinnen und Bürgern Heidelbergs verdeutlicht lebhaft den Wandel von Kriegsgegnern zu Freunden, zeigt aber auch, welche Gegensätze eine wertebasierte Freundschaft besonders in Fragen von Krieg und Frieden prägen können.

Letzter Fahnenappell und Abschied der US-Army 2013 (Foto: Diemer)
Letzter Fahnenappell und Abschied der US-Army 2013 (Foto: Diemer)

Das Keyes-Building auf dem Gelände der Campbell Barracks veranschaulicht die wechselhaften deutsch-amerikanischen Beziehungen in besonderer Weise. Errichtet im Zuge der Remilitarisierung Deutschlands im Jahr 1937, diente das Gebäude der Wehrmacht zunächst als Offiziersmesse. In verschiedenen Räumen versuchten die nationalsozialistischen Erbauer mit Hilfe künstlerisch-propagandistischer Elemente - wie dem beeindruckenden Farbglasbild im Vestibül - das neu aufgestellte Regiment in die Traditionslinien der deutschen Militärgeschichte einzureihen.

Mit der Besetzung Heidelbergs durch US-Streitkräfte am 30. März 1945 wurde die Kaserne Bestandteil des Hauptquartiers zunächst der 6. Armeegruppe und kurz darauf der 7. US-Armee.

Im Lauf der Zeit wurden die amerikanischen Streitkräfte mehrfach umstrukturiert, was sich auch in Heidelberg widerspiegelt. Nach einem anfänglichen Truppenabbau führte die Neuausrichtung der amerikanischen Europapolitik seit der sowjetischen Berlin-Blockade 1948/49 und dem Beginn des Korea-Kriegs 1950 zu einem wachsenden Bedeutungsgewinn des Heidelberger Standorts.

Das 1974 nach dem ehemaligen kommandierenden General Geoffrey Keyes benannte Gebäude wurde dabei zum Sitz des US-Oberbefehlshabers und des Stabschefs. Zu diesem Zweck wurde es bereits 1951 um einen Südflügel erweitert. Der ehemalige Ballsaal des Kasinos diente fortan als Konferenzraum. 

Von Heidelberg aus steuerten und verwalteten die in Europa stationierten Einheiten der US-Army ihre Einrichtungen und Aktivitäten und entwarfen strategische Einsatzplanungen. Erst mit den NATO-Einsätzen auf dem Balkan im Verlauf der 1990er Jahre rückte auch das Heidelberger Hauptquartier zunehmend in den Mittelpunkt militärischer Operationen. Gleichzeitig waren immer mehr NATO-Staaten mit eigenen Kontingenten in der Stadt vertreten.

Die militärstrategische Neuausrichtung der USA brachte auch für Heidelberg die Wende. Nach der Ankündigung der Standortschließung im Jahr 2010 endete die 68jährige Geschichte amerikanischer Streitkräfte in der Stadt endgültig am 6. September 2013.