Mark Twain Center in der Südstadt nimmt seinen Betrieb auf – erste Ausstellung ab 9. Oktober

Schau mit Fotos der Heidelberger Konversionsflächen / Neues Zentrum wird sukzessive ausgebaut

Ein Ort, der die Geschichte und Zukunft der transatlantischen Beziehungen erklärt, erforscht und mit Leben füllt – das ist die Perspektive für das Mark Twain Center (MTC) in der Südstadt. „Wir möchten ein Haus der lebendigen Erinnerung und der Auseinandersetzung mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen sein. Gesellschaftliche, politische, ökonomische und militärische Aspekte sollen gleichberechtigt berücksichtigt werden“, sagt Dr. Uwe Wenzel, der seit Januar 2018 mit dem Aufbau des MTC betraut ist. Bereits am 9. Oktober öffnet das Haus nun erstmals seine Pforten und zeigt eine Ausstellung mit Fotografien der Heidelberger Konversionsflächen von Steffen Diemer. Die offizielle Eröffnung ist das aber noch nicht. Die Stadt Heidelberg möchte das Mark Twain Center in den nächsten drei Jahren bis 2021 sukzessive ausbauen. Ein entsprechendes Betriebskonzept wird nun ab dem 20. September in den städtischen Gremien diskutiert.

„Ich freue mich, dass nun der Betrieb im MTC losgeht. Wir werden in den nächsten Jahren daran arbeiten, dass das Zentrum ein Leuchtturm mit internationaler Strahlkraft wird. Die Auseinandersetzung mit den transatlantischen Beziehungen ist aktuell nötiger denn je. Wir erleben, dass viele seit Jahrzehnten gültige Prinzipien einer stabilen Weltordnung von der US-Administration massiv hinterfragt werden. Vor dem Hintergrund der langen gemeinsamen Geschichte von Heidelbergern und Amerikanern wollen wir uns im MTC deshalb mit den Herausforderungen der transatlantischen Partnerschaft beschäftigen“, sagt Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner.

Drei Standbeine

In dem geschichtsträchtigen Gebäude an der Römerstraße sollen künftig die Historie und die Zukunftsfragen der deutsch-amerikanischen Beziehungen thematisiert werden. Thematisch soll das Zentrum drei Funktionen erfüllen:

  • Erinnerungsort: Die Präsentation der deutsch-amerikanischen Geschichte mit dem Schwerpunkt auf Heidelberg wird auf einer Fläche von rund 900 Quadratmetern im Erdgeschoss und im 1. Stock realisiert. Historisch besonders bedeutsame Räume im MTC, wie das Kommandantenzimmer oder der Konferenzraum, sind Teil der Präsentation und werden ergänzt um multimediale Installationen. Die Zeitspanne, die die Ausstellung umfasst, setzt bereits im 18. Jahrhundert ein und beschränkt sich keinesfalls nur auf die Nachkriegszeit. Die Inbetriebnahme der ersten Flächen der Dauerausstellung ist für den Oktober 2019 geplant. Weitere Bereiche kommen bis 2021 hinzu. Im Erdgeschoss sind darüber hinaus rund 130 Quadratmeter für die Präsentation von Sonderausstellungen vorgesehen.
  •  Begegnungsstätte: Ein Begleitprogramm aus Veranstaltungen mit Zeitzeugen, Podiumsdiskussionen mit wissenschaftlichen Experten sowie Lesungen und musikalischen Darbietungen ergänzen das Gesamtprogramm. Enger Kooperationspartner ist hier das Deutsch-Amerikanische Institut (DAI). Zeitzeugen sollen auf ehrenamtlicher Basis gewonnen werden, um die intensive deutsch-amerikanische Jugendarbeit und Vereinskultur oder die kulturellen Berührungen zwischen den Kulturen erfahrbar zu machen.
  • Forschungszentrum: Mit dem Heidelberg Center for American Studies der Universität Heidelberg (HCA) läuft auf organisatorischer wie auf inhaltlicher Ebene eine Zusammenarbeit. Das Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der amerikanischen Präsenz in Heidelberg sowie die Entwicklung von Foren zur Diskussion der Herausforderungen im transatlantischen Verhältnis. HCA und MTC werden Konzepte und Förderanträge für wissenschaftliche Tagungen entwickeln und diese im MTC durchführen. Erste geplante Themen sind „Grenzen und Migration“ und „Transatlantische Sicherheitspartnerschaft“. Im MTC werden zudem Räume für Gastwissenschaftler eingerichtet.

Weitere Kooperationspartner

Weitere Kooperationen sind mit dem Deutsch-Amerikanischen Frauenclub Heidelberg e.V. (GAWC) verabredet worden, der über ein einmaliges Archiv seiner Aktivitäten seit 1948 verfügt. Diese Bestände werden künftig im MTC untergebracht. Auf nationaler und internationaler Ebene sind mit der Steuben Schurz Gesellschaft (Frankfurt) und der German Society of Pennsylvania (Philadelphia) Kooperationen verabredet worden. Die German Society wird auch ein Spendenkonto für das Mark Twain Center in den USA einrichten. Mit dem Mark Twain House (Hartford, Connecticut) ist eine Wechselausstellung zum Aufenthalt von Mark Twain in Heidelberg geplant, die in beiden Einrichtungen gezeigt werden soll.

Die erste Ausstellung – „Amerikas verborgene Orte“

Mit der Ausstellung „Amerikas verborgene Orte“ präsentiert sich das MTC erstmals ab dem 9. Oktober 2018 mit einem eigenen Programm in der Öffentlichkeit. Die Ausstellung zeigt fotografische Erkundungen von Steffen Diemer auf den ehemals militärisch genutzten Flächen Heidelbergs aus dem Jahr 2014. Begleitend zur Ausstellung sind eine Vernissage sowie Veranstaltungen mit Zeitzeugen aus den USA und aus Heidelberg vorgesehen. Ebenfalls noch in 2018 findet im Rahmen des internationalen Festivals enjoy jazz eine Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert im MTC statt. Für das Jahr 2019 sind darüber hinaus zwei Fotodokumentationen vorgesehen („Von Konrad A. bis Jackie O. – Max Scheler Fotografien“ und „Amerikaner in Heidelberg: Fotografien aus den Jahren zwischen 1945 bis 2013“).

Organisation und Kosten

Die Verwaltung schlägt vor, dass das MTC bis auf Weiteres in der Trägerschaft der Stadt Heidelberg verbleibt und als eigenständige Abteilung an das Kurpfälzische Museum Heidelberg angebunden wird. Zudem soll das Zentrum durch einen Kreis von „Freunden und Förderern des MTC“ unterstützt werden. Ein Unterstützerkreis von US-Amerikanern und Deutschen trifft sich bereits seit Mai 2018 regelmäßig im MTC. Die Gründung des eingetragenen Vereins „Freunde und Förderer des MTC“ aus der Mitte dieses Unterstützerkreises ist für Oktober 2018 vorgesehen.

Die Kosten für die Instandsetzung des Gebäudes belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro – wobei rund zwei Drittel über Fördergelder des Bundes im Rahmen des Programms „Nationale Projekt des Städtebaus“ refinanziert werden können. Die Kosten für die interaktiven und multimedialen Präsentationen sowie die Büroausstattung liegen in den kommenden drei Jahren bis 2021 bei rund 2,45 Millionen Euro. Die Kosten für den laufenden Betrieb sind für die Jahre 2019 und 2020 auf rund 570.000 Euro jährlich geschätzt – inklusive Personal. Der Ausbau des Zentrums soll mit einem kleinen Team gelingen: eine Leitungs- und gleichzeitig Kuratorenstelle, eine Verwaltungsleitung in Teilzeit, ein Sekretariat in Teilzeit sowie ein Hausmeister. Dazu kommen je nach Bedarf Kassen- und Aufsichtskräfte.

(created on 18. September 2018)