Auf den Spuren von Mark Twain Heidelberg erkunden

Empowered (wo)men empower women (Foto: Lisa Hägele)

Die Frauen der Stadt

Mitten in Heidelberg lebe ich nicht, sondern einige Kilometer entfernt. Und doch werde ich immer wieder angezogen von diesem ganz besonderen Ort und dessen Bürgerinnen und Bürgern. Trotz der örtlichen Distanz, oder gerade deshalb, fällt mir ein Blick „von außen“ auf die Stadt und ihr Geschehen nicht schwer. Was genau ist es also, das mich immer wieder dorthin zieht? Welche Erinnerungen haben sich eingebrannt? Alleine in diesem Jahr fallen mir drei Veranstaltungen ein, von denen ich berichten will, da sie Heidelberg und auch mich auf ganz besondere Weise bereicherten. Vorneweg kann gesagt werden, was alle drei Veranstaltungen einte: sie wurden ins Leben gerufen und organisiert von Frauen.

Die erste Veranstaltung besuchte ich am 7. März 2020. Sie nannte sich „Celebrate Yourself - das Event für starke Frauen“, arrangiert von Celebrate Life Event Planning, geführt von einer Frau. Ich beobachtete eine Reihe wissensdurstiger Frauen, die sich dort ehrgeizig, konzentriert und voller Tatendrang weiterbildeten und vernetzten.

Die zweite Veranstaltung, der „Talk-Salon“, fand gleich am darauffolgenden Tag, der übrigens auch der Weltfrauentag war, statt. Als ich den Raum betrat, hatten sich bereits zahlreiche engagierte Heidelbergerinnen dort versammelt, um ins Gespräch zu kommen und ihr Wirken in der Stadt sichtbarer zu machen. Veranstaltet wurde der „Talk-Salon“ von Soroptimist International Club Heidelberg, dessen Mitglieder sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen einsetzen.

Die dritte Veranstaltung fand erst kürzlich, am 21.Juli 2020, statt und beleuchtete ein wichtiges Thema, das schon Mark Twain beschäftigte: „How NOT to be a racist – wie ich eigene Vorurteile erkennen und überwinden kann“, organisiert von CoWomen Heidelberg: Frauen, die aufstrebende Frauen miteinander vernetzen und dabei unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten. Die Menschen, die sich hier versammelten, hörten aufmerksam zu, diskutierten, reflektierten, kamen ins Gespräch. Mit unterschiedlichsten Ansätzen und Meinungen, freundlich und aufgeschlossen. Ich bin sicher, Mark Twain hätte an dieser Veranstaltung teilgenommen und sie genauso geschätzt wie ich.

Wie Mark Twain all die Frauen, die ich in Heidelberg erleben durfte, beschreiben würde, kann ich natürlich nicht sagen. Ich kann jedoch zitieren, was er bereits in seinem 1880 erschienenen Werk „Bummel durch Europa“ in Kapitel 15 schrieb: „Auf dem Kontinent führen die Frauen Arbeiten aller Art aus. Sie graben, sie hacken, sie ernten, sie säen, sie tragen ungeheure Lasten auf dem Rücken, sie schieben ebensolche über lange Strecken mit Schubkarren (…)“. Und auch das Schlusswort will ich Mark Twain, und er mit seinem Zitat wiederum den Frauen, widmen: „Was wären die Menschen ohne die Frauen? Rar, sehr rar.“
                                                                                                                                  Lisa HägeleMosbach, 10.08.2020